#A14 Sich selbst sehen II

#A14 Sich selbst sehen II

Nehme Hilfe an, um ein anderes Bild von dir zu bekommen

Wie ich schon erwähnt habe, solltest du versuchen dir Hilfe zu holen und diese auch anzunehmen, wenn du nicht weiter kommst. Nicht nur die eigene Meinung ist wichtig. Manchmal ist es sinnvoll das Umfeld zu befragen. Du wirst sehen, viele werden dir helfen, wenn du offen und ehrlich nach ihrer Hilfe fragst.

Du solltest beispielsweise in Erfahrung bringen, wie du von deiner Umwelt und deinen Mitmenschen wahrgenommen wirst. Wie werde ich von anderen gesehen, wie werde ich von anderen verstanden?! Wie wirke ich auf andere?

Frage Personen denen du wichtig bist beziehungsweise denen du vertraust. Wenn du mutig bist, kannst du auch deine Kollegen bei der Arbeit befragen, um herauszufinden wie du auf sie wirkst.

Was du auf jeden Fall beachten solltest, die Personen, die du befragst haben vielleicht Hemmungen dir alles zu sagen oder trauen sich nicht dir das zu sagen, was sie an dir nicht so toll finden oder was du an dir verbessern könntest.

Führe eine Liste was sie gesagt haben. Mache dir am besten direkt nach dem Gespräch Notizen. Die Notizen schreibst du dir auf eine große Liste, um anschließend herauszufiltern, ob das Gesagte dir einen Mehrwert für dich bringt.

Lasse etwas Zeit vergehen. Bewusst oder unterbewusst wirst du das Gesagte an dich heranlassen und Dinge persönlich nehmen. Vergesse nie die Personen, die es ehrlich mit dir meinen wollen dich ungern verletzen. Das Gesagte darf später nie zwischen euch stehen. Du darfst nicht darüber nachdenken, ob dir die Person etwas Böses wollte. Versuche immer sachlich über das Gehörte zur urteilen.

Du musst konstruktiv mit der Kritik umgehen, sonst macht das keinen Sinn. Oft wirst du trotzdem Dinge im ersten Moment persönlich nehmen und emotional werden. Wer wird das nicht! Wenn du dir Zeit gibst kannst du Dinge aus einem anderen Winkel sehen.

Im Überblick siehst du, was oft gesagt wurde und welche Stärken, Schwächen und Unsicherheiten häufig bei dir auftreten und welche nicht. Dann kannst du dich hinterfragen, ob das stimmt, was die Personen zu dir gesagt haben. Sei ehrlich mit dir selbst und gebe dir genug Zeit zum Nachdenken. Du kannst mit deinen Gefühlen besser umgehen und rationaler Denken.

Du darfst in dem Fall nichts überstürzen und womöglich sogar die Person angreifen beziehungsweise gleich blocken und zu dir sagen das ist Schwachsinn, das stimmt nicht. Eventuell lohnt es sich das Ganze mehrfach zur Seite zu legen und nochmals zu Überdenken. Wenn du dann zum Schluss kommst, das stimmt nicht was die Person zu dir gesagt hat, ist das völlig in Ordnung, denn du hast darüber nachgedacht. Du darfst nie vergessen du sammelst die Informationen für dich, um dich selbst besser zu sehen und verstehen.

Einer meiner Kollegen hat zu mir gesagt, dass ich oft übertreibe und Situationen überspitzt darstelle. Ich habe oft versucht Dinge alleine durchzuboxen, weil es mir nie schnell genug ging und ich der Meinung war, dass die Qualität nicht passt.

Dadurch, dass ich versucht habe das Thema alleine zu bearbeiten war ich natürlich einer höheren Belastung ausgesetzt. Die Belastung hat irgendwann soweit geführt, dass ich mich überfordert gefühlt habe, mich in eine vermeidbare Stresssituation gebracht habe und dadurch zunehmend unsicherer wurde, anstatt selbstbewusst mit der Situation umzugehen.

Nachdem ich die Situation meiner Familie beschrieben habe, kam bei der Befragung, ob ich wirklich so bin, das gleiche Wahrnehmungsbild hervor. Im ersten Moment war ich sehr wütend. Wie können sie sich auf die Seite des Kollegen stellen und behaupten er hat Recht.

Ich habe schlussendlich versucht mich zu beruhigen und habe sachlich darüber nachgedacht. Bin ich wirklich in manchen Situationen so? Mir sind nach und nach immer mehr Situationen eingefallen, in denen ich auch schlecht reagiert habe. Da ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe, habe ich es gar nicht bemerkt. Im Rauschen des Alltags ist es bei mir schlichtweg unter gegangen.

Nach der Erkenntnis, habe ich mir anschließend weitere Gedanken darüber gemacht wie das auf andere wirken kann. Wie wirke ich auf andere?!Nachdem ich versucht habe mich in ihre Situation zu versetzen ist mir aufgefallen, dass ich durch mein Verhalten alle abgeschreckt habe und mir deswegen keiner mehr helfen wollte. Ich habe interpretiert, dass ich ohne sie schneller die Aufgabe löse, weil sie mir im Weg stehen und sie mir nicht helfen können den notwendigen Anspruch zu erfüllen.

Nachdem ich verstanden habe, was mein Kollege mir gesagt hatte, konnte ich an mir arbeiten und ihn mehr in die Situation einbeziehen. Und was ist passiert? Der Kollege hat versucht meine Situation zu verstehen, warum ich so reagiert habe. Seitdem ist unser Arbeitsverhältnis deutlich besser geworden und meine Belastung ist deutlich gesunken. Ich habe die notwendige Sicherheit gewonnen und kann in Situationen, in denen ich mich teilweise noch immer unsicher fühle, ihn konstruktiv mit einbeziehen. Der Erfolg hat sich von selbst eingestellt. Durch das Nachdenken habe ich eine gewisse Zufriedenheit geschaffen.

Was können wir nun daraus lernen?! Wenn du nun herausgefunden hast, wo deine Unsicherheiten zu finden sind, solltest du dir Gedanken machen warum du dich gerade in dieser Situation unsicher fühlst oder durch was die Unsicherheit hervorgerufen wird. Ist es aus eine Vergangenheit ähnliche Situation, die du nicht so gut gemeistert hast. Bist du selbst noch nie auf die Idee gekommen, dass das eine Unsicherheit ist? Wurde dir diese Unsicherheit vorgelebt oder hast du diese von einer Person aus dem Umfeld aufgefangen? Sind andere unsicher dann muss ich das auch sein?

Weiter Fragen, die wir uns stellen müssen sind, wie macht sich die Unsicherheit bei dir bemerkbar? Wirst du handlungsunfähig und kannst keine Entscheidungen mehr treffen? Ruft die Unsicherheit in dir Wut oder Aggressionen hervor beispielsweise weil du zu großen Druck verspürst? Du überfordert bist oder du schon innerlich aufgegeben hast? Du hast das Gefühl dich versteht in diesem Moment keiner?

Du musst dir genau darüber Gedanken machen wie sich deine Unsicherheit bemerkbar macht. Wenn du dies nicht einordnen kannst läuft du Gefahr in eine Teufelsspirale zu geraten. Du verletzt dich und andere. Erst wenn du diese Unsicherheiten bewusst wahrnimmst kannst du dagegen wirken.

Du musst versuchen deine Nervosität abzubauen. Versuche Vertrauen zu anderen aufzubauen und kommuniziere deine Gedanken. Durch das Gespräch wirst du ruhiger und sachlicher und du bekommst eine andere Meinung.

Unsicherheiten haben für jeden einzelnen eine unterschiedliche Wertigkeit. Für manche ist das, was du als Unsicherheit bewertest, eine Schwäche oder Stärke. Andere können nicht sehen oder verstehen, wie du deine Unsicherheit, Schwächen und Stärken wahr nimmst und bewertest. Darum ist es umso wichtiger mit anderen regelmäßig den Kontakt zu suchen, nach Meinungen zu fragen und seine Gefühle beziehungsweise seine Erfahrungen zu teilen, um anschließend reflektieren, daraus zu lernen und sich verbessern zu können.

Fortsetzung folgt, siehe unter “Sich selbst sehen und verstehen – Teil III”.

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